Blog Annettes Schreibzeug
In meinem Blog Annettes Schreibzeug erzähle ich Geschichten von Menschen, von Ereignissen und von gesammelten Momenten, die ihr in der Rubrik "Knicklichter" findet. Dann freue ich mich, dass Lori als Gast ins Schreibzeug eingezogen ist und uns in ihrem Logbuch unter "Hör ma !" an ihren Gedanken teilhaben lässt. In der Kategorie "aus der Schreibwerkstatt" findet ihr Texte aus dem kreativen und biographischen Schreiben der Schreibheimat Vanessa Geuen https://https://www.schreibheimat.de/. Und zu guter Letzt gibt es auch noch Lyrik mit kurzen Gedankenschnipseln.
Neuigkeiten | ![]() |
05.10.2026, 13:42
"Lade jemanden Gefährlichen zum Tee ein"*
Eine Einladung mit Kribbeln und leichtem Ziehen im Unterbauch. Eine Einladung, der Versuchung eine Chance zu geben. mehr
27.09.2026, 22:43
"Du bist gut genug"
Ruth, die Frau des Monats, ist gut genug.Honiggelber Schimmer, tiefer Bass.Die neuen Gefühle, wenn Ruth ihren Kaffee schlürft und sich in die Kissen zurückfallen lässt. mehr
09.08.2026, 20:45
...Touché
von der Liebe, einem Grafitti, getroffenen Herzen und dem grauen Alltag der Care Arbeit mehr
10.08.2026
GABY, FRAU DES MONATS
Touché ….
Gleich mal vorweg: Ich bin nicht Inka Keim und ich kenne sie nicht.Ich gehe einfach nur zweimal in der Woche an dem Grafitti mit ihrem Namen vorbei.
In meiner heterogenen Fantasie ist sie eine Frau, die einen Mann so sehr aus den Angeln hob, dass er ihren Namen an eine Wand sprühen musste. Vielleicht ein bisschen wie die leidenschaftliche Liebe zwischen Sir Lancelot und Königin Guinevere. Na ja, historisch gesehen war das kompliziert, da Guinevere als Eigentum von König Artus galt. Dennoch füllt diese verklärte Liebesgeschichte seit Jahrhunderten unzählige Buchseiten und Filmrollen. Diese bedingungslose Liebe eines Mannes zu einer Frau – sie lässt uns Frauen immer noch romantisch in die Knie gehen, weil wir die bloße emotionale Kapitulation eines Mannes bereits als Liebe feiern.
Doch wie viele Seiten füllen eigentlich die Geschichten von Frauen, die vor lauter Liebe ihr Selbst für ihre Männer aufgeben? Bei Frauen wird diese Liebe nicht als heroisches Drama inszeniert. Hier gibt es keine Geigen oder Saxofone, die im Hintergrund leise spielen. Hier erwärmt sich kein Herz beim Lesen. Das ist weder kitschig noch romantisch – das ist die unsichtbare, graue Realität von Care-Arbeit .
Aber weiter mit unserem Paar an der Wand.
Keine Sekunde habe ich im Vorbeigehen daran denken mögen, dass es auch andersherum sein könnte. Dass nicht er sein betörtes Herz als von ihr touchiert empfand, sondern Inkas Herz von ihm erlegt wurde und er „Inka … touché“ als Zeichen des Sieges, ähnlich dem Geweih eines erlegten Zwölfenders, an die Wand sprühte und sich seinem Testosteronschub hingab. Der Schub, der den Männerrücken gerade und den Blick erhaben macht.
Nein, nein … Der Schöpfer des Graffitis ist selbst getroffen. Er hat sie gesehen und es hat ihn umgehauen, erwischt, aus den Schuhen gehoben. Er hat seine Deckung aufgegeben, hat seine weiche Bauchseite ungeschützt gelassen und … „touché“. Schaurig-schöner Schmerz, so lustvoll, dass er an eine Mauer gesprüht gehörte.
Ich finde ja, dass sich jeder Mann mindestens einmal im Leben zum Affen machen sollte – der Liebe wegen. Mindestens einmal im Leben seine Eitelkeit ablegen, sich albern und verletzlich zeigen. Mindestens einmal im Leben über sich selber lachen, mit dir im Regen tanzen und Fehler zugeben. „Touché“ … ein Ritterschlag.
Warum schmelzen wir Frauen eigentlich immer noch dahin, wenn ein Mann genau das tut? Ist es Biologie? Wie tief unsere Rollenbilder in uns arbeiten.
Danke, Inka
Deine Gaby
Admin - 03:57:16 @ Frau des Monats | Kommentar hinzufügen
